Eine mit Schweinegrippe infizierte 15-Jährige aus Kassel ist an einer Herzmuskelentzündung gestorben. "Das bedeutet jedoch nicht, dass das Virus nachweislich die Ursache der Entzündung ist", so Karin Müller, Leiterin des zuständigen Gesundheitsamtes.
Grippeviren können laut Mitteilung der Stadt am Samstag allerdings in seltenen Fällen eine Entzündung der Herzmuskeln verursachen.
"Im Moment gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Schülerin an der Schweinegrippe gestorben ist", sagte Stadtsprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. Am Anfang der neuen Woche solle es weitere Untersuchungen geben, um die Todesursache weiter einzugrenzen, sagte er am Sonntag. Mit Ergebnissen könne man Mitte bis Ende der Woche rechnen. Nach Angaben der Hegelsbergschule soll der Unterricht an diesem Montag und Dienstag ausfallen.
Die Schülerin Büsra A. war am letzten Donnerstag mit Grippebeschwerden stationär in die Kasseler Kinderklinik aufgenommen worden. "Kurz nach der Aufnahme musste sie reanimiert werden", sagte Wolfgang Deinsberger, Ärztlicher Direktor des Klinikums Kassel. Einen Tag später sei die 15-Jährige dann gestorben. Eine Vorerkrankung hat es nach Angaben von Müller bei dem Mädchen nicht gegeben. Nach dem Tod hatte das Gesundheitsamt eine Hotline für Schüler, trauernde Freunde und besorgte Eltern eingerichtet. Derzeit würden sich immer mehr Menschen über die Schweinegrippeimpfung informieren.
In den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner sind seit Freitag vier Schulen wegen des H1N1-Virus geschlossen. Auch die 180 Grundschüler der Taunus-Schule in Königstein-Schneidhain und die Schülerinnen zweier Klassen des Mädchengymnasiums Marienschule in Fulda wurden wegen mehrerer Infektionsfälle vom Unterricht befreit.
Auch in Rheinland-Pfalz wurden bislang rund ein Dutzend Schulklassen vorrübergehend geschlossen. Es sei noch nicht nötig gewesen, die Kinder einer ganzen Schule nach Hause zu schicken, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Montag in Mainz. Betroffen gewesen seien eher die nördlichen Landesteile, die Klassen seien jeweils für maximal eine Woche geschlossen gewesen. Die Entscheidung treffe das Gesundheitsamt zusammen mit der Schule. "Es gibt dafür keine pauschalen Vorgaben", sagte der Sprecher.
Die Gesundheitsämter seien insgesamt "sehr zurückhaltend", was die Schließung einer Klasse angehe. "Es wird meist versucht, die Sache zunächst mit anderen Mitteln in den Griff zu bekommen", sagte der Ministeriumssprecher. Wegen der Schweinegrippe war unter anderem im September eine 9. Klasse der Realschule plus in Neumagen-Dhron einige Tage geschlossen worden. Vermutlich hatten sich mehrere Schüler bei einer Klassenfahrt nach Stuttgart angesteckt.
Das Robert Koch-Institut hat bislang neun Todesfälle durch den H1N1-Virus in Deutschland bestätigt. Die Schülerin aus Kassel zählt zunächst nicht dazu. Insgesamt sind mittlerweile rund 30.000 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt.